Nichtwissen, Ehec und Zukunftsfitness

Was wissen wir über die Zukunft? Einiges lässt sich aus der Gegenwart und Vergangenheit schlussfolgern. Doch gerade jüngste Ereignisse machen uns klar, dass das, was wir wissen, eben nicht ausreicht, um die Zukunft vorherzusagen. Denn es reicht nicht einmal, um die Gegenwart zu erklären.

Ehec: Sag mir, womit du die Unsicherheit ersetzt, und ich sage dir, was du glaubst

Ehec: Sag mir, womit du die Unsicherheit ersetzt, und ich sage dir, was du glaubst

Die tückischen Ehec-Bakterien sind so ein Fall. Heute, am 3. Juni 2011, weiß man nicht so recht, wie sich die Erreger verbreiten und wie die  Infektionen gestoppt werden können.

Trotzdem mangelt es nicht an Vermutungen und Theorien. Die Wissenslücken werden aufgefüllt mit dem, was man ohnehin für möglich hält: Wem der Trend zum Bio-Gemüse suspekt ist, der findet sich ebenso bestätigt wie diejenigen, die gegen industrielle Nahrungsmittelproduktion sind. Zusammenhänge werden auch jenseits der Lebensmittel-Branche gefunden: Terroristen könnten mitgemischt haben oder die Pharma-Industrie oder die Atom-Lobby. Wer weiß. Erklärungen, selbst abwegige, sind leichter zu ertragen, als diese Ungewissheit.

Denn hier geht es nicht bloß um ein paar Wissenslücken, sondern um eine grundsätzliche Angst: Bin ich/ ist meine Familie in Sicherheit? Stärker kann eine Dissonanz zur gewünschten Sicherheit kaum sein – entsprechend gross ist das Bedürfnis nach Auflösung, und sei es auch mit Hilfe schneller Schuldzuweisungen.

Was heißt Zukunftsfitness im Zusammenhang mit Ehec? Zunächst mal geht es darum, auch angesichts der unklaren Zusammenhänge, weder in Panik zu geraten, noch auf sture Verhaltensmustern zu beharren oder sich von Verschwörungstheorien manipulieren zu lassen. Sondern sich umsichtig zu verhalten – umsichtig sich selbst gegenüber, aber auch umsichtig der aktuellen Datenlage gegenüber.

Das kann heißen:

  1. Die eigene Haltung klar wahrnehmen (dabei kann der Lücken-Test –s. Grafik – helfen) und sie als eine mögliche Haltung akzeptieren. Die eigene Haltung bewusst wählen – nicht vollautomatisch und aus der Defensive heraus.
  2. Für die eigenen Gefühle, Ängste, Sorgen Verantwortung übernehmen.
  3. Nicht-Wissen einbeziehen. Das heißt, sich bewusst zu sein, daß Ehec heute Fragen aufwirft, für die es bestenfalls vorläufige Antworten gibt. Das schließt die Bereitschaft zur Veränderung der eigenen Haltung ein. Und auch ein empathisches Verständnis für andere Perspektiven, die anders mit dem Nicht-Wissen umgehen.

This entry was posted in Empowerment, Integral, Neues, Perspektiven and tagged , , , , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.